Das Binokeln ist das schwäbische Nationalspiel. Hierzulande ebenso verbreitet wie das ‚Schafkopfen‘ im Bayrischen und der ‚Jass‘ in der Schweiz. Wenn man aber glaubt es sei auch in Schwaben erfunden worden, so irrt man. Vielmehr wurde es im 18. Jhdt bereits im Westen Frankreichs unter dem Namen Bezique gespielt und ist Vorläufer unseres Binokels, des Jass, von ’66‘ und der angloamerikanischen ‚Pinocle‘ Varianten. Vor hundert Jahren war es eines der weitverbreitetsten Kartenspiele weltweit. Damit gehört Binokel zu den kombinieren Melde- und Stichspielen und wurde wohl im frühen 19: Jhdt von napoleonischen Soldaten ins Schwäbische gebracht. Interessant ist der Name, wohl eine Verballhornung des Begriffes ‚Binokular‘ das – wenig prosaisch – von doppelten Augen, also einem doppelten Kartendeck kommt. Wesentlich romantischer scheint mir allerdings die Erklärung, die aus dem Benutzen des ursprünglichen französischen Blatts entsteht. In diesem Blatt sind lediglich der Karo – Bube und die Pik – Dame im Vollprofil dargestellt und es wird gemunkelt dass dies der ‚Code‘ für eine heimliche Liaison sei, bi-nokular, eben 2 Augen! Die Vorstellung wie sich zwischen all die regulären Paare aus Königen und Damen der gleichen Farbe eine gänzlich ‚unanständige‘ Liebelei über Familien- und Standesgrenzen hinweg hinein mogelt und mit derlei hohen Punkten belohnt wird könnte augenzwinkernd als weiteres Indiz für die sozialreformatorischen oder gar revolutionären Kraft sein, die in den Ideen der Kartenspiele zu stecken scheint.

Kommen wir nun zu den Regeln des Spiels, bei denen wir uns nur auf einer der zahlreichen Spielvarianten beschränken, nämlich die, die bei uns im ‚Lamm‘ gespielt wird.

Es wird zu dritt mit einem deutschen Blatt (‚Eichel‘, ‚Blatt‘, ‚Herz‘ und ‚Schellen‘ gespielt, zwei Spieler gegen einen, was an und für sich unfair ist, aber damit ausgeglichen wird, dass der Alleinspieler den Trumpf bestimmen darf und einige seiner Karten austauschen kann. Jeder Spieler erhält 12 Karten und vier werden gesondert verdeckt auf dem Tisch abgelegt. Gegeben wird – entgegen der üblichen Gepflogenheiten – gegen den Uhrzeigersinn. Somit sind also insgesamt 40 Karten ausgegeben, ein doppeltes Spiel ohne die ‚7‘er. Somit sind Folgende Karten sind im Spiel: 8 Asse a 11 Punkte, 8 ‚Zehnen‘ a 10 Punkte, 8 Könige a 4 Punkte, 8 Ober a 3 Punkte und 8 Unter a 2 Punkte. Zusammen sind das 240 Punkte, zusammen mit 10 Punkten Bonus für den Spieler der den letzten Stich macht insgesamt 250 Punkte.

Ziel des Spiels ist es möglichst viele Punkte zu erzielen, mindestens aber so viele wie man im Vorfeld annonciert hat. Zu den 250 Stichpunkte können nun noch zahlreiche Meldewerte kommen, die man durch bestimmte, auf der Hand haltende Kartenkombinationen gutgeschrieben bekommt.

Da sind zum ersten die Paare, jeweils Ober und König derselben Farbe mit 20 Punkten, sollte die Farbe Trumpf sein so wird auf 40 verdoppelt.

Eine Familie besteht aus As, ’10‘, König, Ober und Unter derselben Farbe und bringt 100 Punkte ein. Handelt es sich um die Trumpffamilie sind es 150 Punkte.

Sollte man das Paar doppelt haben so werden nochmals 20 oder in Trumpf 40 Punkte zugerechnet.

Vier verschiedene Asse zählen 100 Punkte, vier Könige 80 Punkte, vier Ober 60 Punkte und vier Unter 40 Punkte.

Sollte man alle 4 Paare melden so sind dies also nicht nur 3 x 20 Punkte und das Trumpfpaar mit 40 Punkten, sondern es kommen jeweils noch 80 Punkte für die Könige und 60 Punkte für die Damen dazu. Das wird dann ‚Rundlauf‘ oder ‚Rundgang‘ genannt und bringt insgesamt 240 Punkte.

Also wäre ein Rundlauf und eine Familie zusammen eigentlich 240 P + 150 P (bei Trumpf) = 390 Punkte, hier werden allerdings die 40 Punkte für das Trumpfpaar abgezogen, sodass 350 Punkte zu Buche stehen. Ist aber auch nicht schlecht 😉

Der Binokel, nämich der ‚Blatt‘ Ober und der ‚Schellen‘ Unter zählt 40 Punkte.

Doppelt allerdings bringen die vier satte 300 Punkte auf die Waage.

Das wird nur noch übertroffen von den doppelten Familien, (also alle 10 Karten einer Farbe)

oder 8 gleichen Karten wie Asse oder Buben. Das zählt dann jeweils 1000 Punkte, kommt aber ziemlich selten vor. Bei 8 gleichen zählen auch die ‚Zehnen‘ 1000 Punkte, wobei 4 ‚Zehnen‘ nichts einbringen.

So kann mal also in der Kombination von Meldung und Stichen eine ganz erkleckliche Zahl von Punkten erreichen. Und diese Zahl, also die individuell bewertete Stärke der drei Blätter dient zu Beginn des Spiels dazu den Alleinspieler festzustellen. Dazu eröffnet der Spieler links vom Geber die Gebote mit einem von ihm frei gewählten Wert den er gedenkt sicher erreichen zu können oder mit ‚passe‘, wenn er sich aus der Auktion heraushalten möchte. Meist belaufen sich die ersten Bietgebote von 150 an eher defensiven bis zu 250 Punkten an eher ‚aggressiven‘ Tischen. Der links vom bietenden Spieler Sitzende erhöht entweder um mindestens 10 Punkte oder passt. Dieses Spiel wiederholt sich solange, bis einer der beiden Spieler passt. Nun wird auf dieselbe Weise auch der Geber befragt, bis auch dieser entweder passt oder aber das höchste Gebot abgibt. Derjenige der die höchste voraussichtlich zu erreichende Punktzahl annonciert bekommt die vier verdeckten Karten, die vor aller Augen umgedreht werden, und darf vier Karten – nun verdeckt – wieder ablegen. Daraufhin legt zuerst der Alleinspieler seine Meldungen offen vor sich hin und bestimmt den Trumpf. Auf ihn folgen die anderen, dann nimmt jeder seine Karten wieder auf. Der Alleinspieler muss es nun schaffen die angesagte Punktezahl mit der Meldung und den in den Stichen erzielten Augen zu erreichen. Ist hier bereits erkennbar dass der Alleinspieler die Punkte nicht erreichen kann oder er befürchtet dieses, so kann er das Spiel ‚abschreiben‘ lassen. Ihm wird dann der Reizwert abgezogen, beide Gegner können ihre Meldungen machen und erhalten jeweils den halben Reizwert als Bonus gutgeschrieben. Der Spieler links vom Geber spielt die erste Karte aus, es herrscht sowohl Bedien- als auch Überstechpflicht. Das heißt wenn ich kann muss ich immer über meinen Vorspielenden stechen. Entweder mit einer höheren Karte der gespielten Farbe, oder, falls dies nicht vorhanden, dann mit Trumpf. Wer einen Stich gemacht hat eröffnet die nächste Runde. Bei gleich hohen Karten sticht jeweils die erst gespielte. Nach allen zwölf Stichen werden die Augen gezählt und zu den Meldungen addiert. Macht ein Spieler keinen Stich so verfällt seine Meldung. Hat der Alleinspieler seinen annoncierten Wert nicht erreicht so wird ihm der doppelte Reizwert als Minus angeschrieben und die Gegenspieler erhalten jeweils ihre gemeldeten und gestochenen Punkte und einen Bonus von 100 Punkten. Bei einem Preisbinokel im ‚Lamm‘ werden 3 Runden a 12 Spiele absolviert. Der die meisten Punkten in diesen insgesamt 36 Spielen erreicht hat gewinnt das Turnier.

Als Fazit kann man Binokel als höchst unterhaltsames Spiel einordnen, das sich mit seiner Bedien- und Überstechpflicht vielleicht etwas mehr eingrenzt als ähnliche Kartenspiele. Es wird dadurch berechenbarer gleicht dies aber durch seine Mehrzahl an Aspekten wie das Bieten, das Melden und das Stechen wieder aus. Erfahrung sollte man auf jeden Fall in seiner Blattbewertung zu Beginn haben, aber auch das Überschlagen wie viele Augen durch wie viele Stiche eingebracht, bzw. verloren werden können zeichnet den guten Binokler aus.

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